Public Value & Leadership
Wie tragen Organisationen zum Gemeinwohl bei, und wie können Führungskräfte eine Public-Value-Orientierung in ihrer gesamten Organisation fördern?
Unser grundlegender Forschungsbereich untersucht den Zusammenhang zwischen organisatorischen Aktivitäten und gesellschaftlichem Wohlergehen. Aufbauend auf mehr als zwei Jahrzehnten empirischer und konzeptioneller Entwicklung an der Universität St. Gallen und der HHL Leipzig untersuchen wir, wie Bürger organisatorische Beiträge in den vier Dimensionen des öffentlichen Wertes – moralisch-ethisch, instrumentell-utilitaristisch, politisch-sozial und hedonistisch-ästhetisch – wahrnehmen und bewerten.
Zentrale Fragen sind: Welche Organisationen werden als wirklich vorteilhaft für die Gesellschaft wahrgenommen und warum? Was unterscheidet Organisationen, die dauerhafte Legitimität schaffen, von denen, die mit einem wachsenden Vertrauensdefizit konfrontiert sind? Wie prägen Führungspraktiken, Kultur und Strategie die Ausrichtung auf den öffentlichen Wert? Und wie lässt sich die Beziehung zwischen Führung und gesellschaftlicher Wertschöpfung im Kontext der großen Herausforderungen unserer Zeit verstehen?
Dieser Forschungsbereich liefert sowohl grundlegende Theorie als auch praktische Instrumente. Die GemeinwohlAtlas-Studien (Schweiz, Deutschland) liefern groß angelegte empirische Belege für die Wahrnehmung des öffentlichen Nutzens in der Bevölkerung. Die Public Value Scorecard übersetzt den vierdimensionalen Rahmen in ein strategisches Managementinstrument, das von Organisationen aller Branchen genutzt wird. Das Leipziger Führungsmodell verbindet die Schaffung von öffentlichem Nutzen mit Führungspraktiken, indem es Zielorientierung, Unternehmergeist, Verantwortung und Effektivität in einen ganzheitlichen Rahmen integriert, um die Spannungen zwischen organisatorischem Erfolg und gesellschaftlichem Nutzen zu navigieren.
Zu den wichtigsten Ergebnissen zählen über 50.000 Umfrageteilnehmer in drei Regionen, mehr als 30 begutachtete Veröffentlichungen in Fachzeitschriften wie dem Journal of Business Ethics, Business & Society und Public Management Review sowie angewandte Partnerschaften mit Organisationen wie Fresenius Medical Care und der Bundesagentur für Arbeit.
Soziale Innovation und sektorübergreifende Zusammenarbeit
Wie entstehen neue Lösungen, die gleichzeitig soziale Bedürfnisse erfüllen und neue Formen der Zusammenarbeit schaffen – und wie können sie gestaltet, gefördert und skaliert werden?
Die Forschung zu sozialer Innovation am CLIS-HSG untersucht die Prozesse, durch die neuartige Antworten auf gesellschaftliche Herausforderungen entwickelt, getestet und verbreitet werden. Wir interessieren uns insbesondere für die Bedingungen, die es ermöglichen, dass Innovationen den Übergang vom Pilotprojekt zum systemischen Wandel schaffen, sowie für die Rolle, die die sektorübergreifende Zusammenarbeit als Treiber und als Herausforderung für die Governance in diesen Prozessen spielt.
Unsere Arbeit umfasst mehrere miteinander verbundene Bereiche: die Dynamik missionsbasierter Ökosysteme und die Frage, wie Organisationen mit unterschiedlichen Kulturen, Anreizstrukturen und Betriebslogiken effektiv zusammenarbeiten können, um gemeinsame Ziele zu erreichen; die Gestaltung und Förderung von Co-Creation-Prozessen über Sektorgrenzen hinweg; digitale soziale Innovation und die Rolle der Technologie bei der Ermöglichung neuer Formen der Partizipation und des kollektiven Handelns; sowie soziale Innovation in Unternehmen als strategischer Weg für Organisationen, gesellschaftliche Herausforderungen durch ihr Kerngeschäft anzugehen.
Zentrale Fragen sind: Wie entstehen, entwickeln und verändern sich missionsbasierte Ökosysteme im Laufe der Zeit? Welche Governance-Mechanismen ermöglichen eine effektive Zusammenarbeit über Sektorgrenzen hinweg? Wie fördern intermediäre Organisationen die Entwicklung von Ökosystemen und welche Fähigkeiten benötigen sie dafür? Wie können digitale Plattformen eine sinnvolle Beteiligung an Governance-Prozessen ermöglichen? Und wie führen sektorübergreifende Partnerschaften in der Entwicklungszusammenarbeit zu nachhaltigen sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Auswirkungen?
Nachhaltigkeitstransformation
Wie können Organisationen den Übergang von der blossen Auseinandersetzung mit Nachhaltigkeit zu einer echten Quelle strategischer Erneuerung und organisatorischer Identität schaffen?
Die Forschung zur Nachhaltigkeitstransformation untersucht die organisatorischen Veränderungen, die erforderlich sind, um Nachhaltigkeit in Strategie, Kultur, Betriebsabläufe und Stakeholder-Beziehungen zu integrieren. Wir interessieren uns sowohl dafür, was sich ändern muss – Geschäftsmodelle, Governance-Strukturen, Führungspraktiken – als auch dafür, wie diese Veränderungen geleitet und gemanagt werden. Ein Schwerpunkt liegt auf dem Spannungsfeld zwischen kurzfristigem Leistungsdruck und langfristigen Nachhaltigkeitsanforderungen und darauf, wie Führungskräfte mit diesem Spannungsfeld umgehen, ohne die organisatorische Kohärenz zu verlieren.
Dieser Forschungsbereich ist eng mit unserer Arbeit zum öffentlichen Wert (Nachhaltigkeit als Dimension des organisatorischen Beitrags zum Gemeinwohl) und unserer Forschung zur sozialen Innovation (Transformation als Prozess, der neue Formen der Zusammenarbeit und institutionelle Innovation erfordert) verbunden.