Partnership Catalyst

Brücken zwischen Innovationsökosystemen bauen, um gemeinsame Herausforderungen durch strategische grenzüberschreitende Zusammenarbeit zu lösen.

Der Partnership Catalyst ist ein strukturiertes Programm, das Unternehmen aus verschiedenen Ländern und Innovationskontexten zusammenbringt, um gemeinsam digitale oder Produktlösungen zu entwickeln, die keiner der Partner allein entwickeln könnte. Es handelt sich um eine bewährte Methodik zur Schaffung gegenseitiger Werte: Lokale Partner bringen fundierte Kontextkenntnisse und Marktzugang mit, internationale Partner steuern technische Fähigkeiten, Skalierbarkeits-Know-how und globale Netzwerke bei.

Die Methodik des Partnership Catalyst

  1. Landscape Study: In einer eingehenden Forschungsphase wird die Herausforderungslandschaft kartiert, werden Schlüsselbranchen mit hohem Wirkungspotenzial identifiziert und wird das Ökosystem relevanter Unternehmen in beiden Partnerländern profiliert.
  2. Auswahlverfahren: In einem strukturierten, transparenten Auswahlverfahren werden Unternehmen auf beiden Seiten anhand komplementärer Fähigkeiten, gemeinsamer Werte und strategischer Übereinstimmungen identifiziert. Die Auswahlkriterien werden veröffentlicht.
  3. Strategisches Matchmaking: Jedes lokale Unternehmen wird mit einem internationalen Partner zusammengebracht, basierend auf komplementären Stärken – nicht nur Ähnlichkeiten – und dem Potenzial für eine echte 1+1=3-Wertschöpfungsdynamik.
  4. Co-Creation-Workshop (3–4 Tage): Ein intensiver Präsenz-Workshop im Partnerland, in dem die zusammengebrachten Unternehmen gemeinsame Lösungen entwickeln. Moderiert von CLIS-HSG unter Verwendung von Design Thinking und strukturierten Kooperationsmethoden. Die Wahl des Ortes – im Partnerland – ist bewusst getroffen worden: So wird sichergestellt, dass lokale Partner nicht durch eine ungewohnte Umgebung benachteiligt werden.
  5. Bilaterale Unterstützung (3–6 Monate): Nach dem Workshop bietet CLIS-HSG fortlaufende Unterstützung durch bilaterale Check-ins mit jeder Partnerschaft. In dieser Phase stehen die meisten Partnerschaften vor ihren ersten echten Herausforderungen – und hier macht die moderierte Unterstützung den Unterschied.
  6. Hybrid-Sprint: Nach der Pilotphase kommen die Partnerschaften zu einer kürzeren Sprint-Sitzung zusammen, um die aufgetretenen Herausforderungen anzugehen und die Lösungen auf der Grundlage der Erkenntnisse aus den Tests in der Praxis zu verfeinern.

Warum es funktioniert:

  • Es löst das Kaltstartproblem: Unternehmen fehlen die Netzwerke, das Vertrauen und das Prozesswissen, um diese Partnerschaften unabhängig voneinander aufzubauen.
  • Eine strukturierte Vermittlung auf der Grundlage von Komplementarität statt Ähnlichkeit schafft innovativere und widerstandsfähigere Partnerschaften.
  • Die Unterstützung vor Ort stellt sicher, dass lokale Partner von Anfang an gleichberechtigt arbeiten können.
  • Eine nachhaltige Unterstützung nach dem Workshop erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Partnerschaften den Übergang von der Idee zur Umsetzung überstehen, erheblich.

Case Study: DIGI Nepal Partnership Catalyst (2024 - 2025)

Programmkontext

Die einzigartige Topografie Nepals schafft strukturelle Hindernisse für die wirtschaftliche Entwicklung: Steiles Gelände, begrenzte Strasseninfrastruktur und geografische Isolation machen es teuer und schwierig, Dienstleistungen für Gemeinden ausserhalb von Kathmandu bereitzustellen. Die digitale Technologie bietet die Möglichkeit, die physische Infrastruktur zu überspringen – aber nur, wenn die Lösungen auf die nepalesischen Gegebenheiten zugeschnitten sind und nicht aus Ländern mit hohem Einkommen importiert werden.

Die DEZA entwickelte den Partnership Catalyst in Nepal als Schlüsselkomponente von DIGI Nepal, einer von der DEZA geleiteten Initiative zur Förderung digitaler Innovationen, um diskriminierten Gruppen und Gemeinden ausserhalb der Hauptstadt einen besseren Zugang zu erschwinglichen Grunddienstleistungen zu ermöglichen. Die Hypothese: Durch die Kombination von Schweizer technischem Fachwissen mit nepalesischem Kontextwissen und Marktzugang könnten digitale Lösungen mit echter Reichweite entstehen.

PHASE 1: LANDSCAPE-STUDIE

Auf der Grundlage einer von der DEZA in Auftrag gegebenen Landscape-Studie zum digitalen Innovationsökosystem Nepals identifizierte die DEZA drei Sektoren mit hohem Wirkungspotenzial und guten Voraussetzungen für grenzüberschreitende Partnerschaften:

  • Fintech: In Nepal gibt es eine grosse Bevölkerung ohne oder mit nur eingeschränktem Zugang zu Bankdienstleistungen, insbesondere in ländlichen Gebieten. Mobile und digitale Finanzdienstleistungen wachsen rasch, stehen jedoch vor Herausforderungen in Bezug auf Vertrauen, Konnektivität und komplexe Regulierung.
  • Gesundheitswesen: Aufgrund der geografischen Isolation haben viele Gemeinden nur begrenzten Zugang zu medizinischen Dienstleistungen. Digitale Plattformen für Fernkonsultationen, Patientenmanagement und Gesundheitsinformationen haben ein erhebliches Potenzial, erfordern jedoch lokale Sprachen, Vertrauen und Last-Mile-Vertriebsfähigkeiten.
  • Lebensmittelbezogene Logistik: Die landwirtschaftlichen Lieferketten sind fragmentiert, mit hohen Nachernteverlusten und begrenzten Marktinformationen für Kleinbauern. Eine datengesteuerte Optimierung der Lieferkette könnte Abfall reduzieren und die Einkommen der Bauern steigern.

PHASE 2: AUSWAHL UND MATCHMAKING

Ein strukturierter Auswahlprozess führte zu Gesprächen mit über 50 Schweizer und nepalesischen Unternehmen. Zu den Bewertungskriterien gehörten: technische Fähigkeiten, Wirkungsorientierung, Offenheit für Zusammenarbeit und Komplementarität mit potenziellen Partnern. Es wurden drei Partnerschaften gebildet:

SectorNepali PartnerSwiss PartnerJoint Solution Focus
FintechAria TechnologiesAlvra LabsDigital payment infrastructure and financial services for underbanked communities in remote areas
HealthcareHealth at Home heyPatientIntegrated platform for remote patient monitoring, teleconsultation, and health record management
Food-related LogisticsNAXAAgriCircleData-driven platform connecting smallholder farmers to buyers, reducing information asymmetry and post-harvest losses

PHASE 3: DER CO-CREATION-WORKSHOP

  • Termine: 3. bis 6. Februar 2025
  • Ort: Kathmandu, Nepal
  • Moderation: Dino Darmonski und Dr. Justus von Grone, CLIS-HSG

Der viertägige Workshop brachte alle drei Partnerschaften in Kathmandu zusammen. Die SDC wählte bewusst den Veranstaltungsort im Land: So konnten die nepalesischen Partner auf heimischem Boden bleiben, Besichtigungen vor Ort in realen Anwendungskontexten durchführen und sicherstellen, dass die Lösungen auf der Grundlage der nepalesischen Realitäten – und nicht auf der Grundlage europäischer Annahmen – entstanden.

Was hat zum Erfolg geführt?

  • Komplementäre Fachkenntnisse: Die nepalesischen Partner brachten lokales Wissen, Sprache, das Vertrauen der Gemeinschaft und Kenntnisse der rechtlichen Rahmenbedingungen ein; die Schweizer Partner trugen mit technischem Fachwissen, Erfahrung in Sachen Skalierbarkeit und Zugang zu europäischen Finanzmitteln bei.
  • Strukturierter Prozess: Der viertägige Workshop bot eine gemeinsame Methodik und reduzierte so die Unklarheiten, die Partnerschaften in der Anfangsphase oft zum Scheitern bringen.
  • Gemeinsames Ziel: Alle Teilnehmer waren durch ihr echtes Engagement für die Verbesserung des digitalen Zugangs für unterversorgte Gemeinden vereint.
  • Persönlich vor Ort: Die physische Präsenz in Kathmandu schuf ein Vertrauensverhältnis, das durch Videokonferenzen nur schwer zu erreichen ist.

Get in touch!

Dino Darmonski

M.A.

Project Manager & PhD Candidate

CSI-HSG
Müller-Friedberg-Strasse 6/8

9000 St. Gallen
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